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Das Leiden des Geldes
AKT I
Szene 1
An einem Morgen im Winter betritt der Berater Noah das adlige Haus um seinem Geschäft nachzugehen. Als er seinen Mantel ablegt, kommt die Frau des Hauses die Treppe hinunter und setzt eine belustigte Miene auf. Respektvoll verbeugt sich Noah vor ihr.
VERTRAUTER NOAH
Ich entbiete Ihnen meinen Gruß, Mademoiselle. Ist der Hausherr zugegen, es drängt mich mit ihm zu sprechen.
(Die Mutter hält auf der letzten Treppenstufe inne.)
DIE MUTTER
Erstaunlich, dass sie in den Jahren ihres Dienstes immer noch vergebens Zeit aufbringen für meinen Gatten, wo er sie doch so geschickt umgeht.
VERTRAUTER NOAH
Mademoiselle, er war stets bei mir, wenn ich ihm in meinen Worten half.
DIE MUTTER
(lässt ein entzücktes Kichern von sich)
Ich zweifle nicht an der Anwesenheit meines Gemahls, doch mehr an seinem Gehör.
VERTRAUTER NOAH
Drüber zu urteilen, steht mir nicht zu.
DIE MUTTER
Nun denn, er ist in seinem Zimmer. Schon zwei Nächte verbrachte er dort und ich musste das Schlafgemach allein hüten. Gott sei's gedankt war der junge Bote an diesen Tagen bei uns und brachte gute Waren. (Und noch mehr will ich meinen.) Doch jetzt ist's Zeit für mich, ich verlasse sie nun, ich fahre aus. Einen glücksseeligen Tag mit meinem Gatten, Herr Anwalt.
(Sie wirft sich einen Schal um und verlässt die Vorhalle nach draußen. Noah schüttelt entrüstet den Kopf und geht nach oben zum Arbeitszimmer, wo er vorsichtig anklopft.)
DER VATER
(von drinnen)
Wohlan, komm herein.
VERTRAUTER NOAH
(im Hereinkommen)
Einen guten Morgen, mein Herr.
DER VATER
Ich ging wohl falsch in meiner Annahme, es wäre erfreulicher Besuch.
(seufzt und erhebt sich von seinem Stuhl)
Schreiten wir zur Tat, was bringen Sie für Kunde, Herr Anwalt?
VERTRAUTER NOAH
Keine gute, wie Ihr schon vermutet habt, mein Herr. Bald steht euch der Ruin ins Haus, wenn eure Gelder so einfach fort gehen. Die Verluste, die ihr durchs leichtfertige Spielen...
(erschrocken bringt der Vater Noah mit einer Geste zum Schweigen)
DER VATER
Leichtfertig. Wollen Sie mich so schimpfen, Herr Anwalt, dann ist mir ihre Gegenwart zuwider.
VERTRAUTER NOAH
Hätt ich euch schimpfen wollen, mein Herr, würd ich keinen Rat überbringen.
(räuspert sich)
Doch will ich fortfahren. Ein Freund meines Berufs erklärte mir, das der Bürgermeister beabsichtigt euch des Verrufes dieser Stadt zu bezichtigen, da ihr mit dem Abschaum verkehrt. Ich fürcht es ist doch bereits vorbei mit dem Spielen, euer Vermögen wird von Tag zu Tag um nen Zehner kleiner.
DER VATER
Ach Gott, es stimmt doch nun sind eben diese Scharlatane die Verwalter meines Geldes geworden. Ich würfelte und setzte Buben und Damen drum, bis dann... Wie soll ich's sagen, ich bring Schande über dieses Geschlecht, hab verloren was nicht verloren hätte sollen. Meine Familie, sie hat nicht einen würdigen Nachfolger
VERTRAUTER NOAH
Ihr vergesst eure Tochter, mein Herr. Ein liebes Kind, eine gebildete Dame. Und reif ist sie, Verantwortung zu nehmen.
DER VATER
(geht zu einem kleinen Tisch und schenkt ein Glas Brandy ein)
Es stimmt, sie ist eine junge Perle, wertvoller als alles verspielte Geld, ich geb's zu. Doch wer, frag ich, hört heute auf solch eine Dame, ihr Stimmchen verblasst unter den Bürokraten und Geschäftstüchtigen.
VERTRAUTER NOAH
Recht habt ihr, mein Herr. Jetzt muss ich fragen ist sie fähig zu ehelichen.
DER VATER
Zu ehelichen nicht, aber geehelicht zu werden.
VERTRAUTER NOAH
Ein Mann wär nötig, der sowohl jung als auch reich, würdig wäre mit ihr vermählt zu werden. Die einzge Rettung für dies Haus, glaubt mir.
DER VATER
(bricht in Euphorie aus)
Lieber guter Herr Anwalt, er schwebt mir vor, er ist's, er ist's, war's immer gewesen.
VERTRAUTER NOAH
Beruhigt euch, von wem sprecht ihr, mein Herr?
DER VATER
William, mein Guter, William heißt er. Ein guter Freund von mir und eine Augenweide im Alter meiner Tochter.
(beginnt in seiner Fröhlichkeit laut zu rufen)
Macht meine Kutsche bereit, ich fahr in die Stadt, heut wird's geschehen.
VERTRAUTER NOAH
Nicht etwa William van Strood?
DER VATER
Doch, doch, ich hab ihn unlängst kennengelernt, als er die Trauer um seinen Vater in billigem Weine ertränkte und alte Seemannslieder dahersang. Ich war's der sich zu ihm gesellte und Freundschaft schloss. Doch nun, will ich zu ihm eilen.
Ein Bediensteter betritt das Zimmer.
BEDIENSTETER 1
Verzeiht, mein Herr, eure Frau ist mit der Kutsche bereits unterwegs.
DER VATER
Dann will ich zu Fuß gehen. Begleitet mich, Noah, dies ist ein froher Tag, lasst uns trinken und feiern.
Gehen ab.
FORTSETZUNG FOLGT
> Kommentar schreiben ferrero am 24.01.2010 um 16:16 Uhr Eine Premiere im wahrsten Sinn! Die erste Einstellung nämlich bei den Theaterstücken.
Nun denn, Cecil, lasst hören, wie der Herr weiter verfährt und ob das Töchterlein vermag, Haus und Hof durch baldige Heirat zu retten!
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